Das Rohmaterial

Seiden-Cocons

Wie bei allen Naturfasern ist auch bei Seide die Qualität des Rohmaterials entscheidend für die Qualität des Endproduktes. Das Rohmaterial für Seide ist der Seidencocon. Verschiedene Arten von Raupen produzieren unterschiedliche Seidenqualitäten. An erster Stelle steht die Maulbeerseide. Hergestellt vom sogenannten Maulbeerseiden-Spinner (Bombix Mori), welcher die qualitativ beste Seide produziert. Der Name kommt von der Futterpflanze, dem Maulbeerbaum, dessen Blätter die einzige Nahrung für die Raupen darstellen.

Der Verbrauch

Filamentstränge

Über 6 kg frische Cocons werden für 1 kg Filament-Seide benötigt. Filament ist Seide, die direkt vom Cocon abgehaspelt wird.

1 kg solcher Qualität ergeben 5-6 T-shirts. Oder anders ausgedrückt: 475 Seidenraupen erzeugen 1kg frische Cocons und benötigen dafür 30 kg Maulbeerblätter.

Für 1 T-shirt werden rund 500 Cocons oder 32 kg Maulbeerblätter benötigt .

Die Herstellung der Seide nach ökologischen Grundsätzen

Luftbild Maulbeerplantage

Mit chinesischen Partnern gründeten wir ein biologisch-dynamisches Projekt in der Provinz Sichuan. Das Projektgebiet liegt nahe der Kreisstadt Jiangyou im Hügelland der Ostausläufer des Himalayagebirges um 500 m über NN. Die Berggipfel dort erreichen noch über 4.000 Meter und in den Bambuswäldern leben die Pandabären.

Zielsetzung ist, gute Seiden-Qualitäten verfügbar zu machen und sowohl Anbauer als auch Behörden auf neue Wege zu bringen.

Das Projekt umfasst ca. 200 ha mit einer Jahresproduktion von rund 30 000 kg Cocons. Dazu werden ca. 900 000 kg Maulbeerblätter benötigt.

Der Anbau der Maulbeerbäume

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Die Maulbeersträucher gedeihen auch auf weniger produktivem Land. Sie werden als Büsche gezogen, ähnlich wie Kopfweiden ohne Stammbildung. Die Triebe, bis 15 an der Zahl, wachsen über 2 m hoch und viermal pro Jahr werden alle Blätter abgepflückt. Damit füttert man vom Mai bis September die Seidenraupen. 

Auf dem SABA Projekt wurden bis jetzt ca. 600 000 Maulbeerbäume gepflanzt. Dazu noch hunderte von Obstbäumen und ca. 5000 andere Bäume als Nistplätze für Vögel, zur Beschattung und als Windschutz. Es war von Anfang an klar, dass eine solche Monokultur nur mit biologisch-dynamischen Anbaumethoden ein gesundes Gleichgewicht erhält.

Der Unterschied

Maulbeerplantage

Maulbeerplantage

Häufig werden wir nach dem Unterschied zwischen Bio-Seide und konventioneller Seide gefragt.

Der grösste Unterschied liegt in der Nahrung für die Raupen. Die Raupen verwandeln Maulbeerblätter in Körpersubstanz, aus der sie anschliessend wiederum den Cocon bilden. Je besser die Qualität der Nahrung desto besser die Qualität der Seide. Durch den biologisch-dynamischen Anbau erhalten unsere Raupen ein qualitativ hochwertiges Futter ohne jede schädliche Belastung. Bei schadstoffbelastetem Futter werden die sehr empfindlichen Tiere geschwächt und produzieren minderwertige Cocons oder gehen sogar ein.

Von grossen Cocons gesunder Raupen können längere Endlosfäden abgewickelt werden. Ein guter Cocon enthält ca. 2500 m Seidenfasern. Davon können bis zu 1500 m endlos abgespult werden, die sogenannte Haspelseide. Die übrigen Fasern werden für gesponnene Seide (Schappeseide, Bourretteseide) oder zum wattieren von Decken und Jacken verwendet.

Seide, welche von minderwertigen Cocons abgehaspelt wird, hat eine geringere Elastizität, der Fadendurchmesser ist ungleichmäßig und die Seide hat eine trübe Farbe. Dies wirkt sich in allen folgenden Produktionsstufen negativ aus. Die Gewebe und Gestricke werden ungleichmäßig und benötigen einen höheren Einsatz von Chemikalien für die Färbevorstufe.

Biologisch-dynamischer Landbau verbessert die Lebensbedingungen nachhaltig, denn er führt zu einer Verbesserung der Umweltbedingungen. Er erfordert viel Handarbeit, was sich bei der hohen Arbeitslosigkeit unter der chinesischen Landbevölkerung positiv auswirkt.

Die zertifiziert biologische Seide aus unserem Projekt entspricht dem höchsten Qualitätsniveau. Dies führt zur Nachahmung, sobald erkennbar wird, dass dies auch ökonomische Vorteile bietet. Es ist dann nur noch ein kleiner Schritt bis zum Anbau biologisch-dynamischer Nahrungsmittel.

Mit biologisch-dynamischem Landbau verbessern sich auch die ökonomischen Verhältnisse. Durch die gute Coconqualität können nicht nur höhere Erträge erzielt werde, der biologische Landbau geht auch Hand in Hand mit fairem Handel. Der sorgsame Umgang mit der Umwelt stellt den Menschen in den Mittelpunkt und führt auch zu einem sorgsamen Umgang mit den Handelspartnern. Feste Preise und Abnahmeverträge verhindern, dass die Landbevölkerung durch künstlich manipulierte Preise übervorteilt wird